Wie funktioniert ein Abzahlungsdarlehen?

Abzahlungsdarlehen als besonderes Tilgungsdarlehen

Abzahlungsdarlehen als alternative Finanzierung zum Annuitätendarlehen

Bei einem Abzahlungsdarlehen handelt es sich um eine Kreditform die eine besondere Form des Tilgungsdarlehens ist. Im Gegensatz zum bekannteren Annuitätendarlehen, bleibt zwar der monatliche Tilgungsbetrag konstant, aber nicht die Darlehensrate. Wieso das so ist erklärt der nachfolgende Beitrag.

Was versteht man unter einem Abzahlungsdarlehen?

Abzahlungsdarlehen als besonderes Tilgungsdarlehen

Abzahlungsdarlehen als besondere  Form eines Tilgungsdarlehen Foto: jk1991 / Bigstock

Der konstante Tilgungsbetrag und die wechselnde Darlehensrate erklären sich damit, dass der Zinsanteil während der Laufzeit immer mehr abnimmt, da ja eine stete Darlehenstilgung erfolgt. Beim Annuitätendarlehen steigt dabei der Tilgungsanteil wie der Zinsanteil sinkt, die monatliche Rate bleibt dabei konstant. Da das Abzahlungsdarlehen eine stete Tilgungsrate hat, ist die monatliche Belastung am Anfang sehr hoch und nimmt erst mit der Zeit ab. Für Kreditnehmer die großen Wert auf ihre Planung setzen, ist das Abzahlungsdarlehen ideal. Auch die verkürzte Laufzeit gegenüber dem Annuitätendarlehen ist vorteilhaft. Allerdings hat das auch einen Nachteil, denn gerade anfangs ist die Belastung sehr hoch. Der Grund ist, dass auf die zu zahlenden Raten die Zinsen komplett aufgeschlagen werden. Lediglich im Verlauf wird die Rückzahlung wird der Zins sinken und zwar immer in Bezug auf die jährliche Höhe des Rückzahlungsbetrags.

Formel für ein Abzahlungsdarlehen:

Kreditbetrag beträgt 100.000 Euro
Dauer der Tilgung 10 Jahre
Fester Zins 8 %

Jährliche Tilgungsrate beträgt 10.000 Euro

Die Zinszahlung wird aus dem Restbetrag errechnet
Rückzahlungsrate 1. Jahr – 18.000 Euro (Tilgung plus Zinsen
Rückzahlungsrate 2. Jahr – 14.000 Euro dto.
Rückzahlungsrate 3. Jahr – 10.800 Euro dto.

Abzahlungs- oder Tilgungsdarlehen nutzt man oft bei Bau- und Immobilienfinanzierungen. Der Vorteil sind immer kleiner werdende Ratenbeiträge über die komplette Laufzeit. Abzahlungsdarlehen findet man aber auch als Privat-, Geschäfts-, Personal- oder Überbrückungskredit. Der Unterschied zum Annuitätendarlehen zeigt sich, dass bei diesem die monatliche Belastung während der gesamten Laufzeit immer die gleiche bleibt. Beim Abzahlungsdarlehen dagegen ist die monatliche Belastung anfangs sehr hoch.

Wird eine Finanzierung in Höhe von 20.000 Euro mit einer Laufzeit von fünf Jahren (Zinssatz 10 %) beantragt, so wird im ersten Jahr die Tilgung 4.000 Euro betragen. Dazu kommen noch 2.000 Euro an Zinsen. Im fünften Jahr ist die Tilgung die gleiche 4.000 Euro. Es sind aber jetzt nur nich 400 Euro Zinsen zu bezahlen. Um nun die richtige Finanzierung zu finden welche günstiger ist (Abzahlungs- oder Konsumentendarlehen), müssen die Konditionen miteinander verglichen werden. Es steht fest, dass das Abzahlungsdarlehen bei gleicher Laufzeit und gleichem Zinssatz bessere Konditionen hat, als das Annuitätendarlehen. Das Abzahlungsdarlehen hat einen konstanten Tilgungsplan.

Vor- und Nachteile des Abzahlungsdarlehen

Der Vorteil des Abzahlungskredites ist der, dass zu Anfang der Laufzeit die Restschuld stark sinkt. Geht es zum Ende der Laufzeit wird bereits ein erheblicher Teil der im Kreditvertrag vereinbarten Zinsbindung bezahlt, so dass es dem Kunden möglich ist über eine neue Konditionen (Prolongation) oder einen ganz neuen Kreditvertrag über eine geringere Summe zu verhandeln. Gerade bei einer Immobilienfinanzierung zeigen sich hier Vorteile, da die Zinshöhe davon abhängig ist, welchen Prozentsatz die Finanzierung beim Beleihungswert einer Immobilie erreicht. Das Abzahlungsdarlehen braucht dann nicht mit einer weiteren Immobilienfinanzierung abgelöst zu werden, sondern der Kreditnehmer kann als Alternative auch einen Konsumentenkredit abschließen. Bei dieser Kreditform sind die Nebenkosten nicht so hoch und der Kreditnehmer hat einen weiteren Spielraum bei seiner Rückzahlung.

Tilgungsplan beim Abzahlungs-Darlehen

Tilgungsdarlehen mit Vorteilen, aber auch Nachteilen. Vergleichen ist hier angesagt! Foto: avemario / Bigstock

Ebenso von Vorteil sind beim Abzahlungsdarlehen, nicht nur der konstante Tilgungsplan, sondern auch dass die Belastung pro Monat, pro Quartal und pro Jahr ständig weniger wird. Für den Kreditnehmer ist das ein optimales Darlehen, da er nicht Gefahr läuft, durch den Wegfall von steuerlichen Vorteilen oder eventuellen staatlichen Zuschüssen nach einer bestimmten Zeit (einige Jahre), die Belastung nicht mehr bezahlen kann. Das stellt auch bei der Bank ein reduziertes Ausfallrisiko dar. Das wiederum zeigt sich in einem besseren Zinssatz als bei einem Annuitätendarlehen genehmigt wird. Der Nachteil des Tilgungsdarlehens ist, dass zu Anfang eine hohe Zahlungsverpflichtung besteht.

Bei einer Gegenüberstellung von Abzahlungsdarlehen – Annuitätendarlehen und einer Kreditsumme von 100.000 Euro  hätte das Tilgungsdarlehen eine Zinsersparnis von 5.500 Euro. Die fällige Rate beträgt beim Abzahlungsdarlehen dann 916 Euro, beim Annuitätendarlehen sind es 733 Euro. So ist nach der Hälfte der Kreditlaufzeit die Rate des Abzahlungsdarlehens niedriger als die Rate für ein Annuitätendarlehen.

Welchen Vorteil hat der Disagio?

Der Disagio kann die wirklichen Kreditkosten beeinflussen. Die Vereinbarung eines Disagio ist gleich mit einer Stundung der Annuität. So können beispielsweise Bauherren den Disagio steuermindernd geltend machen. Wer 4000 Euro geltend macht, der vermindert seine Steuerschuld bei einem Steuersatz von 30 % um 1200 Euro.

Für wen eignet sich das Abzahlungsdarlehen?

Für wen eignet sich ein Abzahlungsdarlehen?

Für wen ist ein solches Darlehen geeignet und bringt die meisten Vorteile? Foto: Goodluz / Bigstock

Diese Kreditart ist für alle Kreditnehmer geeignet, die ihre Schuldenlast schnell begleichen möchten. So sorgt die Reduzierung der monatlichen Raten für Sicherheit, dass die Schuld auch auf lange Sicht hin, beglichen werden kann. Was die Restschuldversicherung anbelangt, so sind die Beiträge beim Tilgungsdarlehen geringer als beim Annuitätendarlehen. Der Grund ist, die Beiträge für eine Restschuldversicherung werden immer von der Restschuld berechnet. Wenn die Zinsbindung endet, hat der Kunde die Möglichkeit, da ja eine geringere Restschuld besteht als beim Annuitätendarlehen, bessere Konditionen auszuhandeln. Er kann aber auch einen nicht zweckgebundenen Konsumentenkredit abschließen. Generell sind also bei gleicher Kreditsumme, Laufzeiten und Zinssatz die Gesamtkosten beim Abzahlungsdarlehen geringer als beim Annuitätendarlehen.

Wie können weitere Vorteile beim Tilgungsdarlehen realisiert werden?

Wird ein Kredit beantragt, so planen Kreditnehmer die Höhe der Raten in ihr Monatsbudget mit ein. Da die Rate stets sinkt, könnten die daraus entstehenden Differenzen (Monatsbudget – Anfangsrate) angespart werden. Auf dem Finanzmarkt finden sich hier einige Möglichkeiten. Man denke an Tagesgeld oder einen Bausparvertrag mit der Arbeitnehmersparzulage. Damit könnten finanzielle Polster geschaffen werden, mit denen am Ende der Laufzeit der Zinsbindung eine Zwischentilgung bezahlt werden könnte.

Fazit: Das Abzahlungsdarlehen ist eine gute Wahl für diejenigen, die schnell ihre Kreditlast bezahlen möchten. Die monatlichen Raten sinken, ergibt sich eine Sicherheit, dass der Kreditnehmer seinen Kredit auch auf längere Frist hin bezahlen kann.

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